ÖSTERREICHISCHER JAGDSPANIELKLUB

Jagdreferat

Jagdspaniels wieder im Kommen
Von Mag. Heinrich Nikoll, Jagdreferent des Österreichischen Jagdspanielklubs (ÖJSpK)

Spaniels zählen zu den ältesten Jagdhunderassen der Welt. Historiker nehmen an, dass der Name „Spaniel“ durch die Römer über Spanien in das heutige Mutterland der meisten Spanielrassen, England, gebracht wurde. Dort wurde die Bezeichnung „Springing Spaniel“ anfangs nicht wie heute für eine bestimmte Rasse verwendet, sondern wegen der typischen Arbeitsweise, bei der Jagd das Wild zu „sprengen“, für alle Spaniels. Bereits seit dem Jahr 1907 besteht der Österreichische Jagdspanielklub (ÖJSpK), er betreut und vertritt derzeit neun verschiedene Spanielrassen (siehe Kasten auf S. XX).

Der Überbegriff für diese Spaniels lautet Jagdspaniel, weil sie ursprünglich nur für die Jagd gezüchtet und auch überwiegend jagdlich verwendet wurden. Inzwischen reussiert der Spaniel bei uns allerdings mehrheitlich als liebenswerter Familienhund. Teilweise haben sich aber auch die jagdlichen Anforderungen und Umstände geändert.

Wie bei allen Hunderassen ist für Spaniels natürlich der Einsatz bei Jagdformen, bei welchen unsere vierbeinigen Kameraden ihre angewölften rassespezifischen Eigenschaften optimal entwickeln können, ideal. Dies sind das Buschieren „unter der Flinte“, die Wasserarbeit oder – speziell in unseren Regionen – das großräumige Stöbern bei Kreis- und Riegeljagden. Ob und wann sie dabei laut oder nicht laut sein sollen, weiss am besten ihr Führer oder der jeweilige Jagdleiter zu entscheiden. Ganz ideal ist natürlich – wenn es die Anzahl der Schützen und der Hunde erlaubt – ein rassespezifischer Einsatz in Gruppen. Ich habe selbst schon mehrfach auch in Österreich an Jagden teilgenommen, bei denen Spaniels mitunter gemeinsam mit anderen Stöberhunden sehr professionell die Arbeit des „Hochbringens“ des Wildes besorgten, und die Verfolgung und das Apportieren ihren schnelleren und kräftigeren Kollegen von der Vorstehhunde- und Retrieversektion überließen. Ohne derartige Arbeitsteilung scheuen sie – einmal darauf ausgebildet – aber auch nicht davor zurück, selbst einen ausgewachsenen Gebirgshasen über weite Strecken zu apportieren. Doch auch bei Pirsch, Ansitz und Nachsuche brauchen Spaniels durch ihre hohe Intelligenz, gute Orientierung und ausgezeichnete Nase den Vergleich mit anderen für diese Jagdarten bei uns überwiegend eingesetzten Hunderassen durchaus nicht zu scheuen. Die ihnen eigene überlegte, unnervöse Art ist gerade dabei ein besonderer Vorteil. Natürlich eignet sich nicht jede Spanielrasse für alle – in Österreich bekanntlich sehr unterschiedlichen – Revierbedingungen und Jagdmethoden gleich gut. Am häufigsten stehen hierzulande der English- und der Welsh Springer Spaniel im universellen jagdlichen Einsatz, gefolgt von den Cocker-Spaniels, die angesichts ihrer geringeren Größe und des Haarkleides speziell bei Schneelage allerdings an gewisse Grenzen stoßen. Die anderen hier angeführten Rassen sind derzeit eher als Exoten im alpenländischen Raum anzusehen, obwohl sich einige von ihnen wie etwa der Field -, Sussex – oder der Irish Water Spaniel von ihrer Veranlagung her durchaus auch für unsere Revierverhältnisse eignen.

Prüfungsordnung

Die jagdlichen Prüfungsordnungen für Spaniels sind in Europa nach Ländergruppen geteilt. Die Mehrzahl der Länder wie Spanien, Italien oder die skandinavischen Länder („A-Länder“) orientieren sich bei den von den Hunden geforderten Eigenschaften nahe am Ursprungsland Großbritannien. In den „B-Ländern“, zu denen neben Deutschland, Tschechien und der Slowakei auch Österreich zählt, dominieren andere Skills. Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, den Unterschied lediglich an der im Zusammenhang mit den jeweils vorherrschenden Jagdmethoden zu sehenden „Laut-Frage“ (vereinfacht: A = stumm, B = laut). festzumachen. Auch die Bedeutung des Buschierens und des Stöberns teilt dem entsprechend die Gemüter. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil die Spanielrassen in den A-Ländern auch in den letzten Jahrzehnten weiterhin sehr erfolgreich jagdlich unterwegs waren und sind, kommt es schrittweise auch in den B-Ländern zu einem zögerlichen Umdenken.

Eine vorsichtige und nicht von allen bedankte Vorreiterrolle hat der ÖJSpK in diesem Zusammenhang mit seiner im Vorjahr beschlossenen Prüfungsordnung 2006 eingenommen. Diese ermöglicht – wie bereits davor diejenige Tschechiens – nun auch „stummen“ Hunden mit gewissen Einschränkungen bei den Preisrängen das erfolgreiche Absolvieren von Anlagenprüfung, Erweiterter Anlagenprüfung und Vollgebrauchsprüfung. Das Fach „Buschieren“ wurde bereits in die Erweiterte Anlagenprüfung vorgezogen, da auch auf Feldjagden in Österreich zunehmend Wert auf kurz „unter der Flinte“ jagende Hunde gelegt wird. Ein weiteres Novum ist die Integration der Lautstöberprüfung gemäß Prüfungsordnung des ÖJGV in die ÖJSpK-Prüfungssystematik. Details dazu finden Sie in der „ÖJSpK-Prüfungsordnung 2006“.

Das bisherige Ergebnis der erklärten und auch mit unserer jagdkynologischen Dachorganisation ÖJGV abgestimmten Absicht, mit einer Flexibilisierung der Prüfungsordnung wieder mehr Kandidaten und mehr Erfolge bei Prüfungen zu erzielen, ist überzeugend: Seit Bestätigung der neuen Prüfungsordnung durch den ÖJGV im September 2006 konnten auf Prüfungen des ÖJSpK eine Jugendprüfung, neun Anlagenprüfungen und eine Erweiterte Anlagenprüfung bestanden (d.h. mit mindestens einem Dritten Preis) werden. Dies mag im Vergleich zu „großen“ Jagdhundeklubs nicht besonders toll wirken, im Vergleich zu den mit insgesamt fünf positiven Jugendprüfungs- und einem positiven Anlagenprüfungsergebnis in den Jahren 2004 und 2005 ist dies jedoch eine beachtliche Steigerung, die durch hoffentlich ebenso erfreuliche Ergebnisse im Herbst dieses Jahres noch getoppt werden kann. Apropos „getoppt“: Ein Springer-Spaniel-Rüde erreichte als einziger Jagdhund Österreichs im Vorjahr sogar einen Eintrag in das ÖJGV-Leistungsbuch in der Kategorie Lautstöberprüfung.

Vom ÖJSpK betreute Jagdspanielrassen

Die Fotos sind die Rassebesten der ESA 2007

 Fotos: Franz Reisner

 

English Springer Spaniel
Ursprungsland: Großbritannien

Größter der Landspaniels, symmetrisch gebaut, kompakt, kräftig, fröhlich, lebhaft. Von allen britischen Landspaniels am höchsten auf den Läufen und am rassigsten im Körperbau. Freundlich, unbekümmert, gehorsam. Älteste der Jagdhunderassen, früher vorwiegend bei der Netzjagd und der Jagd mit dem Falken oder dem Greyhound im Einsatz, heute zum Auffinden, Hochmachen und Apportieren nach dem Schuss. Ausgezeichneter Allround-Jagdgebrauchshund für Feld, Wald und Wasser.

 

Welsh Springer Spaniel
Ursprungsland: Großbritannien

Symmetrisch, kompakt, nicht hochläufig, offensichtlich für Ausdauer und harte Arbeit gebaut. Von mittlerer Größe, fröhlichem und unkompliziertem Wesen. Bewegt sich schnell und lebhaft, mit viel Schwung und Schub. Sehr alte, eigenständige Rasse. Apportiert gern und bringt bis zur Größe eines Hasen. Hervorragender Jagdgebrauchshund.

 

English Cocker Spaniel
Ursprungsland: Großbritannien

Der „typische“ Spaniel, in Körper, Haar und Farbe elegant wirkend, von kleinerer Statur, mit kurzem, geradem Rücken, leicht zur Kruppe abfallend, breiter und tiefer Brust mit flachem Übergang in die Lendenpartie. Ausgezeichneter und unermüdlicher Buschier- und Stöberhund für Niederwild, kommt mühelos auch durch dichte und dornige Unterschlüpfe. Sehr agil und fröhlich.

 

Field Spaniel
Ursprungsland: Großbritannien

Harmonisch gebauter Jagdgebrauchshund mittlerer Größe, zuverlässiger Stöber- und Apportierhund in Feld, Wald und Wasser. Ideal auch für harte Jagdeinsätze oder als Begleiter für den Bewohner auf dem Lande. Aktiv und ausdauernd, feinfühlig, bei uns nicht sehr verbreitet und bekannt.

 

Clumber Spaniel
Ursprungsland: Großbritannien

Gut ausgewogen, starkknochig, lebhaft, mit einem nachdenklichen Ausdruck. Intelligent, gutmütig, ruhig, jedoch aktiv, ausdauernd, beständig und mutig. Seine gesamte Erscheinung drückt Kraft aus. Beharrlich, zuverlässig, freundlich, erhaben, zurückhaltender als andere Spaniels. Im Feld wie im Wasser ein vorzüglicher, stummer Stöber- und Apportierhund.

 

Sussex Spaniel
Ursprungsland: Großbritannien

Massiv, kräftig gebaut. Lebhafter, tatkräftiger Hund, dessen charakteristische Gangart ein eindeutiges Rollen ist, ganz anders als das der übrigen Spaniels. Von ähnlicher Größe wie der English Cocker Spaniel, jedoch wesentlich schwerer und massiver. Natürliche Anlage zur Arbeit; gibt Laut bei der Arbeit im dichten Unterholz.

 

 

Irish Water Spaniel
Ursprungsland Irland

Größte der Spanielrassen. Eleganter, aufrechter, kräftiger, aber nicht hochläufiger Hund; große Intelligenz und Ausdauer in sich vereinigend. Charakteristische Rute mit Lockenbesatz im oberen Drittel. Für die meisten Arten der jagdlichen Arbeit vor und nach dem Schuss geeignet. Er jagt, steht oft vor und apportiert bereitwillig aus dichtem Gestrüpp und tiefem Wasser.

 

American Water Spaniel
Ursprungsland: USA

Aktiver, muskulöser Hund von mittlerer Größe mit einem gewellten bis gelockten Haarkleid. Bodenständiger Gebrauchshund, besonders in unwegsamen Wäldern, aber auch bei Stöberarbeit in Wasser und Schilf und beim Apportieren.

 

 Quellen: F.C.I.-Standards, „Das Rasse-Portrait“ (Autor: Dr. Peter Beyersdorf, Kynos Verlag Mürlenbach), „Spaniel“ (Autorin: Rosemarie Wild, Müller Rüschlikon Verlags AG, Cham, Stuttgart, Wien)

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