ÖSTERREICHISCHER JAGDSPANIELKLUB

Vorwort des Jagdreferenten

  Prüfungsordnungen im Wandel der Zeiten: „A und/oder B“?

Der jagdliche Einsatz von Spaniels in Europa ist seit einem halben Jahrhundert zweigeteilt. In letzter Zeit sind vorsichtige Versuche einer Annäherung feststellbar.

 

Mag. Heinrich Nikoll, Präsident und Jagdreferent des Österreichischen Jagdspanielklubs.

 

Spaniels zählen innerhalb der FCI-Nomenklatur zur Gruppe 8 (Apportier-, Stöber- und Wasserhunde), die meisten Spanielrassen zur Sektion 2 „Stöberhunde“. In Österreich stehen in jagdlichem Einsatz überwiegend English- und Welsh Springer Spaniels, English Cocker Spaniels, einige Field- sowie möglicherweise Clumber- und Sussex-Spaniels, alle mit Rasse-Mutterland Großbritannien , bzw. einzelne der zur Sektion 3 „Wasserhunde“ zählenden Irish Water Spaniels mit Mutterland Irland. Zwei weitere Spanielrassen, der American Cocker- und der American Water Spaniel, sind in den USA domiziliert. Der Österreichische Jagdspanielklub (ÖJSpK) betreut all diese Rassen in Österreich innerhalb der Hierarchie der FCI, welche unter anderem die Rassestandards und die Voraussetzungen für internationale Championate festlegt. Er ist als Verbandskörperschaft Mitglied des Österreichischen Kynologenverbandes (ÖKV) und des Österreichischen Jagdgebrauchshundeverbandes (ÖJGV), der – bezogen auf alle jagdkynologischen Angelegenheiten – in einem Vertragsverhältnis zum ÖKV steht.

Der jagdliche Einsatz von Spaniels in Europa ist seit Jahrzehnten durch unterschiedliche, teils konträre, Reglements in die Ländergruppen „A“ (im Wesentlichen Großbritannien, die romanischen und teilweise die skandinavischen Länder) und „B“ (im Wesentlichen Deutschland, die Schweiz, Österreich, Tschechien und die Slowakei) zweigeteilt. In der Ländergruppe „A“ ist – verkürzt dargestellt – der kurz unter der Flinte auf  Niederwild eingesetzte „stumme“ Buschierer gefordert, während die Ländergruppe „B“, in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts maßgebend auf Initiative von Roman Zellich, dem damaligen Präsidenten des ÖKV und der FCI-Stöberhundekommission sowie geschäftsführendem Vizepräsidenten des ÖJSpK, entstanden, auf den Spaniel als möglichst „spurlauten“ Universal-Jagdgebrauchshund setzt.

Die bedauerlicherweise zwischen manchen Proponenten beider Seiten teilweise immer noch bestehenden Gegensätzlichkeiten standen – auch durch teilweise miteinander unvereinbare Anforderungen und Bestimmungen, z.B. bei jagdlichen Prüfungen und im Zucht- und Ausstellungswesen –  naturgemäß einem konstruktiven Miteinander im Weg. Erst seit einigen Jahren werden in einzelnen Ländern vorsichtige Bemühungen um die Schaffung von Möglichkeiten eines flexibleren Umganges miteinander sichtbar. Dazu zählen zum Beispiel Änderungen mancher Prüfungsordnungen betreffend „Laut“, gemeinsame jagdnahe Klubveranstaltungen mit „A“- und „B“-Hunden, oder auch privaterseits klug angelegte Jagden mit deren gemeinsamem, meist sehr erfolgreichem, Einsatz. Dabei entstehen oft sehr interessante Eindrücke wie etwa, dass sich etliche Spaniels durchaus mit einigem Training für den Einsatz nach der jeweils anderen Methode eignen und sogar Prüfungen gemäß dem jeweils anderen Reglement durchaus erfolgreich bestehen können .

Selbstverständlich soll hier nicht einer unverantwortlichen Vermischung das Wort geredet werden, bei welcher letztlich die Gefahr droht, dass dadurch ein Großteil der mit viel Mühe und züchterischem Verstand entwickelten Eigenschaften verloren geht. Ebensowenig soll jedoch ein Zustand aufrecht erhalten werden, der das Gegenteil dessen unmöglich macht. Die beiden unter „Berichte vom Jagdreferat“ veröffentlichten Berichte über in Schottland atttgefundene Championships 2012/13 nach dem Reglement „A“ ermöglichen jedenfalls einen äusserst interessanten „Blick über den Zaun“. Bei all dem darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass sich die relevante Rechtslage in Österreich teils sehr deutlich von derjenigen einiger „A“-Länder unterscheidet , und die gebotene Einhaltung insbesonders der entsprechenden Bestimmungen des Tierschutzgesetzes  und der Jagdgesetze hierzulande  manches nicht zulässt, was anderswo (noch) erlaubt ist. Dies ist ebenso Verpflichtung des ÖJSpK wie die Loyalität zu den Bestimmungen des Reglements „B“.